Secos & Molhados oder was Pink Floyd mit Neil Young verbindet

Musikzitate gibt es seit es Musik gibt. Schon in der klassischen Musik wurden eigene oder auch fremde Musikstücke, meist in Form von Parodien zu neuen Stücken verarbeitet.

Aber unterscheiden wir erst einmal zwischen Cover (Remake) und Zitat.

Coverversionen (Remakes) von Songs

Als Cover oder Remake bezeichnet man die Neuinterpretation eines Musikstücks durch einen anderen Künstler. Zum Teil wird dabei der Text auch in eine andere Sprache übertragen. Coversongs gibt es wie Sand am Meer. Kaum ein Song von The Beatles, Bob Dylan oder Bob Marley, wurde noch nie gecovert. Zum Teil gibt es sogar Bands, die ganze Alben von vorne bis hinten covern.

Aus Coverversionen können durchaus auch neue Meisterstücke entstehen. Es gibt nicht wenige, die glauben, die Versionen „Knockin‘ On Heaven’s Door“ von Guns ’n Roses, oder „All Along The Watchtower“ von Jimi Hendrix seien besser als die Originalaufnahmen von Dylan.

Natürlich wird dabei der Songtitel meist beibehalten und es werden selbstverständlich die Songwriter mit angegeben. Sonst wäre es ja Diebstahl geistigen Eigentums. So wurde beispielsweise George Harrison per Gericht für schuldig befunden, große Teile des Songs He’s so fine von The Chiffons für seinen eigenen Song My sweet Lord verwendet zu haben.

Auch Steve Miller hat meiner Meinung nach gleichermaßen für „Take the Money home and run“ die Melodie von „Sweet home Alabama“ verarbeitet, soweit ich weiss hat sich aber nie jemand dafür interessiert, dabei sind die Ähnlichkeiten der benutzten Akkordfolgen nicht zu überhören. Glaubt ihr nicht? Dann hört euch die beiden Stücke mal hintereinander an. Zu Steve Miller kann man ohne Probleme den Text von Lynyrd Skynyrd singen.

Samples in fremden Stücken

Mittlerweile verwenden Hip-Hop Gruppen und Musikproduzenten ganz ungeniert Samples aus anderen Songs, um neue Songs entstehen zu lassen. Besonders schlecht und dreist, fand ich 2000 den Hit Rise von Gabrielle, in der das Intro von Dylan’s Knockin‘ on heavens Door so diletantisch gesampelt wurde, dass sich der Loop anhört, als ob die Platte springt. Hat ihr trotzdem einen Nummer-Eins Hit verschafft.

Improvisation und Variationen

In der „guten alten Zeit“ als Musik noch von Hand gespielt wurde, gab es auch schon Zitate. So sind insbesondere Heavy Metal Gitarristen zum Teil bekannt dafür, dass sie all zu gerne andere Musikstücke in bombastische Soli einbauen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Homagen an andere Musikstücke. Die Jazzszene würde nicht ohne auskommen.

Dabei sind die Gemeinsamkeiten zweier Musikstücke manchmal so versteckt, dass man sie nur bei ganz genauem hinhören entdeckt, oder erst, wenn ein drittes Stück einen mit der Nase darauf stößt. Ein solches Stück ist zum Beispiel Primavera nos Dentes der brasilianischen Progressive Rock Band Secos & Molhados, die 1973 zu den einflußreichsten Musikern des brasilianischen Rock-Business zählten.

Das Stück gehört zu meinen absoluten Topempfehlungen für alle Blues Fans. Was passiert wohl, wenn man zu den Gitarrenakkorden von Neil Young aus Down By The River (Em7, A, Em7, A), die Synthesizer Klänge von Pink Floyd aus Speak to me/Breathe improvisiert?

Die Brasilianer haben dies offensichtlich getan und damit ein wunderschönes Bluesstück geschaffen, das den Titel „Primavera nos Dentes“ (Frühling zwischen den Zähnen) tragt und eine Hymne auf den Widerstand darstellt.

Davon abgesehen war die seinerzeit meistverkaufteste Platte Brasiliens eine reine Provokation. Ein Sänger, der wie eine Frau singt, Männer die geschminkt auf der Bühne stehen und dazu aufrührerische Texte singen. Was in Europa zu Zeiten von Glamrock schon fast Mainstream war, war in Brasilien so radikal und gefragt, dass die erste Auflage bereits nach wenigen Tagen verkauft war und die Plattenfirma andere Platten einschmolz um das Debütalbum von Secos & Molhados nachpressen zu können.

Wikipedia (portug.) über Secos & Molhados: http://pt.wikipedia.org/wiki/Secos_%26_molhados

Kritik zur Platte von Felipe Tadeu (übersetzt ins deutsche von Michael Kegler): http://www.novacultura.de/0301som-d.html

Anmerkung: Zu diesem Artikel existieren Hörbeispiele. Leider lässt sich das erstellte Widget auf WordPress.com nicht einfügen. Wer möchte, findet die entsprechenden Beispiele hier: http://tomblues2.blogspot.com/2009/05/musikzitate-oder-was-pink-floyd-mit.html.

Ihr könnt die entsprechenden Musikstücke natürlich auch auf anderen Plattformen anhören, vielleicht habt ihr sie ja auch bereits in eurer Sammlung.

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